Zwei Mal durch die Acht in Pommelsbrunn

Zweimal durch die Acht: Warum der 1000hmr mehr ist als eine Runde


Es gibt Leute, die laufen den 1000hmr einmal und sagen danach: reicht.

Völlig verständlich.

Und dann gibt es diese andere Sorte Mensch. Die steht nach der Runde wieder unten, schaut kurz auf die Uhr, auf die Beine, vielleicht auch ein bisschen ins Leere – und überlegt, ob man das Ganze nicht gleich noch einmal machen könnte.

Man muss nicht alles verstehen.

Aber genau dieser Gedanke ist interessant. Denn ein doppelter 1000hmr ist nicht einfach „nochmal dieselbe Runde“. Jedenfalls nicht zwingend. Der Weg besteht aus Nordkette und Südkette, also aus zwei Schleifen, die zusammen eine große Acht bilden. Wer wieder am Ausgangspunkt steht, kann neu entscheiden. Gleiche Richtung? Gegenrichtung? Erst wieder Nordkette? Oder zuerst die Südkette? Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich diese Runde zusammenzubauen.

Das macht den 1000hmr besonders. Man läuft nicht stumpf eine Linie ab. Man steigt immer wieder neu in diese Acht ein.

Höhenmeter bleiben ehrlich

Kilometer sind beim 1000hmr nur die halbe Wahrheit. Vielleicht sogar weniger.

Auf dem Papier klingt eine Runde erst einmal machbar. Nicht kurz, klar. Aber auch nicht so, dass man sofort die Notfallfolie aus dem Rucksack zieht. Der Unterschied liegt in den Höhenmetern, den Wechseln, den Anstiegen und den Abstiegen. Der Weg lässt einen selten lange in Ruhe.

Auf der Nordkette geht es früh zur Sache. Naturfreundehaus, Blockschutthalde, Bergwald, Burgruine Lichtenstein. Danach weiter über Pleßlberg und Leitenberg, mit der Möglichkeit zum Kreuzbergfelsen. Später Hofberg, Zankelstein, kleine Bastei, zurück nach Pommelsbrunn.

Das ist keine gemütliche Aufwärmrunde, auch wenn man sich das am Anfang einreden kann.

Die Südkette legt dann noch einmal nach. Mühlkoppe, Hochberg, Kelten-Akropolis, Felsenlabyrinth, Johannisburg, Kupferberg, Hohler Fels. Dort oben der Blick Richtung Happurger Stausee. Nur der Blick. Man läuft nicht hinunter zum Stausee. Der liegt da unten und sieht vermutlich sehr entspannt aus. Man selbst eher nicht.

Dann weiter Richtung Reckenberg, Brotzeitplatz, Luderschlag, zurück zur Weidenmühle und zum S-Bahn-Bereich.

Wer das zweimal macht, sammelt nicht nur doppelte Strecke. Er sammelt auch doppelte Entscheidungen. Wann laufen? Wann gehen? Wann trinken? Wann essen? Wann kurz stehen bleiben, obwohl der Kopf „weiter“ sagt?

Gehen ist keine Niederlage

Im Gelände ist Gehen kein Scheitern. Das sollte man sich vor allem dann merken, wenn man mehr als eine Runde plant.

Es gibt diesen etwas albernen Stolz, alles laufen zu wollen. Jede Steigung, jeden Stich, jedes Stück Waldweg. Kann man machen. Der Weg kommentiert das später. Meistens über die Oberschenkel.

Beim 1000hmr ist schnelles, sauberes Gehen an steilen Passagen oft vernünftiger als verkrampftes Laufen. Gerade auf den Anstiegen zur Mühlkoppe oder hinauf zum Hochberg zählt nicht, ob es von außen heroisch aussieht. Es zählt, was am Ende noch übrig ist.

Bei einer einfachen Runde kann man sich vielleicht einmal überschätzen und kommt trotzdem irgendwie durch. Bei zwei Runden wird diese Rechnung schlechter. Bei drei Runden wird sie ziemlich humorlos.

Wer länger unterwegs ist, braucht keine Pose. Er braucht Einteilung.

Die zweite Runde beginnt nicht bei null

Das ist vielleicht der wichtigste Punkt.

Wenn man nach einer kompletten Runde wieder am Schnittpunkt steht, ist der Weg bekannt. Aber der Körper ist ein anderer. Die erste Runde steckt in den Beinen. Die Abstiege haben gearbeitet. Die Konzentration ist nicht mehr ganz frisch. Und je nach Wetter, Tageszeit und Versorgung merkt man irgendwann, dass ein langer Tag nicht durch Tempo entschieden wird, sondern durch kleine, nüchterne Entscheidungen.

Vielleicht ist genau deshalb die Acht-Struktur so reizvoll. Man kann die Richtung ändern. Man kann die Reihenfolge ändern. Man kann den Weg anders lesen. Was vorher Anstieg war, wird später Abstieg. Was man morgens noch frisch genommen hat, kommt einem nachmittags deutlich weniger entgegenkommend vor.

Das Gelände bleibt gleich. Die Wahrnehmung nicht.

Auf der zweiten Runde erkennt man Stellen wieder, aber sie fühlen sich anders an. Der Wald wirkt vertrauter. Die Anstiege kürzer vielleicht, aber nicht leichter. Der Hohle Fels ist immer noch ein guter Punkt zum Durchatmen. Der Luderschlag ist immer noch kein Geschenk. Und wenn man wieder unten ist, hat man nicht einfach eine Kopie der ersten Runde gelaufen.

Man hat eine zweite Geschichte darübergelegt.

Die Stoppuhr darf mit. Aber sie soll sich nicht so wichtig nehmen.

Natürlich kann man den 1000hmr auf Zeit laufen. Wer Freude daran hat, soll das tun. Zeiten vergleichen, Zwischenpunkte notieren, Segment hier, Segment dort. Alles legitim.

Aber der Weg erzählt nicht nur über Geschwindigkeit.

Er erzählt über Rhythmuswechsel. Über Geduld. Über den Moment, in dem man merkt, dass ein paar Sekunden mehr oder weniger völlig egal sind, wenn der nächste Anstieg ohnehin gleich wieder seine eigene Meinung hat. Über den Unterschied zwischen „ich kann noch“ und „ich sollte trotzdem kurz rausnehmen“.

Gerade bei einem doppelten 1000hmr ist die Stoppuhr nur ein Werkzeug. Kein Richter.

Man kann sich auf Zahlen konzentrieren. Oder auf das, was unterwegs passiert: der erste Blick von Lichtenstein, die Ruhe auf der Hochfläche, der Wald vor dem Hochberg, das Felsenlabyrinth, der offene Blick vom Hohlen Fels. Der kurze Gedanke, dass man freiwillig hier ist. Auch wenn es sich zwischendurch nicht immer danach anfühlt.

Warum macht man das?

Gute Frage.

Vielleicht, weil eine einfache Runde irgendwann nicht mehr reicht. Vielleicht, weil man wissen will, ob der Kopf länger ruhig bleibt als die Beine. Vielleicht auch, weil der 1000hmr nah genug ist, um ihn spontan ernst zu nehmen, und anspruchsvoll genug, um danach nicht so zu tun, als wäre nichts gewesen.

Der Weg ist keine Alpeninszenierung. Kein großes Drama mit Startbogen, Sprecherstimme und Zielkanal. Er ist Pommelsbrunn, Wald, Felsen, Anstiege, Markierungen, Aussichten, Abstiege. Genau das macht ihn gut.

Man kann ihn wandern. Man kann ihn laufen. Man kann ihn zügig gehen. Man kann ihn einmal machen und zufrieden sein. Oder zweimal. Oder dreimal, wenn man mit sich selbst noch etwas zu klären hat.

Am Ende steht man wieder unten.

Und dann?

Dann darf man die Uhr ausmachen. Die Schuhe ausschütteln. Die Beine sortieren. Und wenn es passt, geht man zurück zur Bäckerei Hollederer, nimmt Kaffee und ein Stück Käsekuchen und tut kurz so, als sei das alles eine sehr normale Idee gewesen.

War es nicht.

Aber es war eine gute Runde. Vielleicht sogar zwei.